a fleeting glimpse

Johanna Reich

18.04.2010 – 23.05.2010

Fotos: Stephanie Gudra


Die Suche der Film- und Performancekünstlerin Johanna Reich gilt verschiedenen Formen der Bildfindung, vornehmlich innerhalb des Mediums Film. Wichtiges Element ihrer Arbeiten ist ihr performatives Agieren vor der Kamera. In frühen Arbeiten wendet sie die Strategie der Performance in ursprünglicherem Sinn an, indem ihr Körper eindeutiges Subjekt der Kamera ist. Mit Arbeiten aus den letzten Jahren, wie „line I/II/III“, „monument“ oder „blau/rot“ geht sie dem Verhältnis des Dispositivs Film zum klassischeren Genre der Malerei auf den Grund, dem Verhältnis von statischem und bewegten Bild. Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Bildfindung und Komposition werden dabei offenbart.

Diese Untersuchung des „bewegten Bildes“ setzt Reich in ihren neuen Arbeiten auf andere Art und Weise fort, ihre Faszination für die neuste Kameratechnik spielt dabei keine unwesentliche Rolle: In der Arbeit „a fleeting glimpse – along the rhine“ ist zu beobachten, wie sie eine auf dem Boden liegende Kamera wiederholt attakiert, ihr Tritte gibt, so, dass diese immer weiter geschossen wird. Zwischen den bewegten, ephemeren Sequenzen sind ruhige Bildausschnitte der Umgebung zu sehen, und Reich selbst im Anlauf, worauf ein weiterer aggressiver Tritt folgt. Endlos scheinen sich die unselektierten Bilder aneinanderzureihen. Ein gewisser Ärger auf das Medium, den kinematografischen Apparat, die Bilderflut, ist dabei kaum zu leugnen. Die Kamera ist nicht mehr der unantastbare, ausführende Teil einer Inszenierung, sondern befindet sich in einer passiven Opferrolle, in die folgendermaßen auch der Betrachter gerückt wird. Ihr Interesse für klassische Kompositionen findet in den neuen Arbeiten ebenfalls keinen Abbruch, Motive der Landschaftsmalerei scheinen, besonders in der Arbeit „in waves“, immer wieder aufzublitzen.

Johanna Reich entwickelt in den Arbeiten, die in der Ausstellung im F.A.K. zu sehen sind, ungewohnte Strategien den filmischen Apparat in ein anderes Licht zu rücken, die Kameraperspektive zu verfremden. Die Kamera ist passiver Protagonist einer Ansammlung sehr ästhetischer Momentaufnahmen.

Johanna Reich (*1977 in Minden) studierte an der Kunstakademie Münster, der HfBK Hamburg und der KHM in Köln, wo sie heute lebt und arbeitet. Sie hatte zahlreiche Gruppen- und Einzelausstellungen im In- und Ausland. 2006 wurde sie mit dem Nam June Paik Award Förderpreis augezeichnet. Im letzten Jahr erhielt Reich den Förderpreis des Landes NRW für Medienkunst.

www.johannareich.com

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