according to optimal vantage point

Lilo Bauer

03.09.2010 – 17.10.2010


Ausstellungseröffnung am 2. September 2010

Einführung: Stefan Hölscher

Die letzte Einzelausstellung des F.A.K. im Jahr 2010 zeigt Arbeiten der Leipziger Fotografin Lilo Bauer. Ihre dokumentarisch anmutenden Fotografien beschäftigen sich mit den unterschiedlichen urbanen Merkmalen der Städte, die sie bereist hat. Die Ausstellung »According to optimal vantage point« bringt Teile ihrer letzten Projekte zusammen, die in New York und Israel entstanden sind.

Die Serie »Down the block« zeigt New Yorker Sport- und Spielplätze, die sich als betonierte, markierte und umzäunte Felder aus dem architektonischen Umfeld der Großstadt abheben. Der Aspekt der dicht bebauten und im Raster angelegten Stadtlandschaft spiegelt sich im strengen Bildaufbau der großformatigen Fotografien wieder. Es ermöglicht das Lesen kleiner Details; die Fotografien werden zur Bühne für narrative Momente räumlicher Inbesitznahme. So wird beispielsweise im Bild mit dem Titel »Post no bills« der Blick auf eine provisorische Instandsetzung des Zauns gelenkt, die mit vielen kleinen Wortkritzeleien versehen wurde.

Die Werkgruppe »Wall and Tower« umkreist die Entwicklung neuer Siedlungen in Israel und thematisiert die Wahrnehmung der konstanten Neubildung urbaner Strukturen. Die Arbeit besteht aus großformatigen Einzelbildern und kleinformatigen Fotografien, die als Bildensemble präsentiert werden. Drei großformatige Fotografien zeigen städtebauliche Projekte als Miniaturmodell, wie sie die Künstlerin in einem Vergnügungspark in Israel vorgefunden hat. Durch Verschiebung des Maßstabs und der Perspektive erscheinen die detailreichen Modelle in den Fotografien sowohl real als auch

irritierend. Das Bild mit dem Titel »A City under Construction II« stellt eine Baustelle im Modell dar, dessen charakteristische Architektur sich in der Bildgruppe an der benachbarten Wand als real existierendes Bauwerk vermuten lässt. Hier sind Fotografien von Neubausiedlungen so genannter Planstädte versammelt.  Als Einzelbilder oder durch wechselnde Perspektiven auf eine Siedlung auch als Bildgruppen angeordnet, deuten sie eine Art Übersicht auf die Dimension und Formensprache aktueller Produktion von Raum in Israel an.

In der Mitte des Ausstellungsraums befindet sich eine Projektion mit Bildern, die den Aufbau eines Kibbutzes Ende der 40iger Jahre dokumentieren. Die Bilder stammen von dem deutschen Fotografen Naftali Oppenheim, der Deutschland 1937 verließ und nach Palästina auswanderte. Die Projektion mit dem Titel »Siedler« thematisiert die kollektive Aufbauleistung in einer vermeintlich unbesetzten und unberührten Landschaft.

Die in »According to optimal vantage point« versammelten Arbeiten sind, unabhängig von ihren Motiven, Repräsentationen des Sehens und Wahrnehmens. Wie sehen wir? Aus welcher Perspektive? Welches Sehen spiegelt welche Haltung? Die Arbeiten eröffnen ein Spannungsfeld zwischen den städtebaulichen Ausprägungen einer politischen oder sozialen Idee und den tatsächlichen Möglichkeiten und Bedingungen menschlichen Zusammenlebens.

Lilo Bauer (*1976 in Jena) studierte an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig und an der Universität del País Vasco, Bilbao. 2006 erhielt sie ein Stipendium der Jan van Eyck Academie in Maastricht. Die Arbeit »Down the block« wurde mit einem Stipendium des DAAD gefördert, die Arbeit »Wall and Tower« durch das Sächsische Landesstipendium ermöglicht. Sie lebt und arbeitet in Leipzig.

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